Parlamentarischer Meeresabend / Cap San Diego / Hamburg
Ein spannender Abend auf der Cap San Diego in Hamburg – ganz im Zeichen des Meeresschutzes.
Unter dem Motto „Mehr Meeresbewusstsein für eine lebenswerte Zukunft“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen, um über den Zustand der Meere, ihre Bedeutung für unser Klima und die Verantwortung des Menschen zu sprechen. Im Anschluss an die Vorträge bot der Empfang zum 11-jährigen Bestehen der Deutschen Meeresstiftung Gelegenheit zum Austausch an Bord.
Zur Einstimmung wurde der Film „Ocean with David Attenborough“ gezeigt. Der Film ist ein eindringlicher Appell, das Thema Meeresschutz endlich ernst zu nehmen. Rund zwei Drittel unseres Planeten sind von Wasser bedeckt – eine Tatsache, die man als Landbewohner leicht verdrängt. Doch was in den Meeren geschieht, wirkt unweigerlich auf uns zurück.
Besonders eindrucksvoll zeigt der Film, welche Folgen intensive Küstenfischerei und Schleppnetzfischerei für empfindliche Lebensräume haben. Wo früher Kelpwälder und Seegraswiesen wichtige Rückzugsräume für unzählige Arten bildeten, bleiben durch zerstörerische Fangmethoden oft kahle Flächen am Meeresboden zurück. Der Film zeichnet ein düsteres Bild menschlicher Eingriffe – gibt aber auch Hoffnung: Wenn es gelingt, große Teile der Meere und wichtige Küstenregionen wirksam zu schützen, können sich marine Ökosysteme erstaunlich gut regenerieren.
Nach dem Film folgte ein musikalischer Beitrag von Pohlmann, anschließend sprach Frank Otto über die Entstehung der Deutschen Meeresstiftung. Frank Schweikert führte in den Abend ein und machte deutlich, wie dramatisch sich die Lage der Meere bereits verändert hat. Unter anderem verwies er auf aktuelle Daten des EU-Klimaprogramms Copernicus, nach denen die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Ozeane zuletzt außergewöhnlich hohe Werte erreicht hat.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Prof. Dr. Mojib Latif. Wie immer gelang es ihm, ernste wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich, lebendig und zugleich eindringlich zu vermitteln. Er erklärte, warum der Ozean für uns Menschen systemrelevant ist – nicht nur als Lebensraum, sondern auch als entscheidender Faktor im Klimasystem. Seine Botschaft war klar: Gelingt es uns nicht, die Erderwärmung zu begrenzen, werden die Folgen für die Ozeane und damit auch für uns Menschen gravierend sein.
Auch Katja Günther, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur in Schleswig-Holstein, machte deutlich, wie schwierig es ist, politische Veränderungen im Meeresschutz voranzubringen. Das Meer sei für viele Menschen schwer greifbar: Wir sehen meist nur auf das Meer, aber nicht in das Meer hinein. Dadurch bleiben viele Probleme unsichtbar. Als Beispiel nannte sie die Überdüngung der Ostsee und sprach auch die Verantwortung des Wassersports an – etwa beim Umgang mit Fäkalientanks und der Nutzung vorhandener Entsorgungsmöglichkeiten.
Besonders inspirierend war auch der Beitrag von Dr. Wiebke Endres, die mit der Deutschen Meeresstiftung im Bildungsbereich zusammenarbeitet. Sie ist Mitgründerin des ersten Meeresgymnasiums Deutschlands, das projektbezogene Meeresbildung in den Mittelpunkt stellt. Schülerinnen und Schüler sollen dort nicht nur theoretisches Wissen aus den MINT-Fächern lernen, sondern konkrete Zusammenhänge verstehen und erleben. Ein Satz blieb dabei besonders hängen:
„Nur was man kennt, kann man lieben. Und nur was man liebt, kann man schützen.“
Genau dieser Gedanke passt auch zur Bildungsarbeit der Deutschen Meeresstiftung. Die wird einmal mehr unterstrichen durch die Ocean Science Multimedia-Ausstellung der Deutschen Meeresstiftung an Bord der Cap San Diego. Eine vollständig durch Solarstrom betriebene Ausstellung, die sich der Ozeanforschung widmet und noch bis 2030 bestehen wird (!). Zu sehen sind Exponate wie Drifter (Messbojen, ein Modell eines Plastikmüllsammel-Katamarans, interaktive Grafiken zum Tiefseebergbau und vieles mehr…https://www.meeresstiftung.de/ocean-science-ausstellung
Einen weiteren eindrucksvollen Vortrag hielt Dr. Alica Torkov von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Sie zeigte anschaulich, welche Risiken der Abbau von Manganknollen in der Tiefsee für die Biodiversität der Ozeane mit sich bringen kann. Gerade weil Rohstoffe wie Mangan für die Transformation weg von fossilen Energieträgern eine Rolle spielen, ist die Debatte komplex. Dr. Torkov machte deutlich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute nicht mehr nur stille Berater am Rand sein wollen. Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse politisch folgenlos bleiben, müssen sie sich stärker in die öffentliche Diskussion einbringen.
Zum Abschluss spielte Pohlmann den Song „Glashaus“. Thematisch passte das sehr gut zum Abend: Niemand kann beim Thema Klima- und Umweltschutz völlig frei von Widersprüchen auf andere zeigen. Der eine lebt vegan, fliegt aber viel. Der andere baut Gemüse an, hat aber eine Leidenschaft für alte Autos. Und wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen.
Gerade deshalb war dieser Abend so wertvoll. Er zeigte nicht mit dem Finger auf Einzelne, sondern machte deutlich, dass Meeresschutz eine gemeinsame Aufgabe ist – für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Wassersport und Gesellschaft.
Für uns als Yachtskipper.eu ist das Thema nicht abstrakt. Wir sind regelmäßig auf Nordsee, Ostsee, Atlantik und Mittelmeer unterwegs. Wir erleben das Meer als Arbeitsraum, Naturraum und Lebensraum. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur über das Meer fahren, sondern auch Verantwortung für seinen Schutz übernehmen.









